Kafkas Harem

Kafkas Harem (Überstzung Hanna Kok-Ahrens): Sechs Frauen und Kafka: Felice, Milena und Dora aus Kafkas Leben und Rosa, Leni und Josefine aus seinen Werken begegnen sich und spielen auch schon mal Strip-Poker miteinander. Eine wunderbar theatralische Konfiguration. Außerdem erfährt man auch viel über Kafkas schwieriges Verhältnis zu den Frauen.

Nähere Auskünfte, Textbücher und Termine: www.editionsmidt.de

Ein Parforce-Ritt durch Gefühle

Wer am 19. April zur Premiere von “Kafkas Harem” im Inzlinger Pfarreiheim Theaterluft schnuppern möchte, bekommt ein Exklusiv-Gefühl gratis. Denn mit dem neuen Stück, das die renommierte Gruppe Phantadu einstudiert hat, erlebt man eine echte Welt-Uraufführung.

Uraufführung

Regie führt die Niederländerin Mieke Nizet, die seit 1994 mit der Theatergruppe des Kolping-Bildungswerks arbeitet. Sie hat ein neues, noch nie inszeniertes Stück der 30-jährigen Rebekka Bremmer ausgewählt, die ebenfalls aus den Niederlanden stammt. Bei dem Stück können sich sechs Akteurinnen mit Verve und Temperament in unterschiedlichsten Nuancen einbringen.

In sieben Bildern entwickelt sich bei sparsamster Bühnen-Ausstattung ein surrealistischer Einakter, der die Bereitschaft zum Spaziergang in Fantasiewelten verlangt, die sich überraschend mit Realitätsbezügen kreuzen.

“Kafkas Harem” ist ein Parforce-Ritt durch Gefühls- und Erinnerungswelten. Kühler Intellekt beherrscht distanzierte Erinnerungsdialoge, wilde Gefühlsausbrüche in Schwärmerei und Trauer fesseln die Aufmerksamkeit.

Die Spielerinnen zeigen hohes Niveau in ihrer Ausdrucksfähigkeit. Mieke Nizet ist eine kritische Begleiterin, die Feinheiten nachspüren lässt und sich in Ausstattungsfragen bewusst auf einem Minimal-Level bewegt.

Zur Handlung: Die drei Frauen, die Franz Kafka (geboren 1883 in Prag, gestorben 1924 in Klosterneuburg, Kierling) in seinen durch Krankheit gezeichneten Lebensjahren geliebt hatte, treffen auf drei fiktive Frauen, die in einigen seiner Werke Leben bekamen. Es gibt “Zitate” aus “Der Prozess”, “Die Verwandlung”, “Josefine, die Sängerin und das Volk der Mäuse”. “Das Urteil”, “Ein Landarzt und Milenas Nachruf auf Kafka”. Sein stets schwieriges Verhältnis zu Frauen gibt genügend Reflexionshintergrund für Gespräche und Ausblicke auf Schicksalsträchtiges und Allzumenschliches. Wer gewinnt schließlich nach einem chaotischen Kampf? Fiktion oder Realität?

Es darf mitgedacht und manchmal mitgelacht werden, vor allem beim Strip-Poker, der schon beinahe gewagte Assoziationen zulässt. Als Darstellerinnen treten auf an sechs Aufführungsterminen Regina Mattmüller-Maier (Felice), Rita Frieauff (Milena), Bettina Gertz (Dora), Susi Klein (Rosa), Angelika Maier-Trefzger (Leni), Ute Homberger (Josephine). Zum Team der Gruppe gehören Nadja Bretz (Frisur), Peter Hauser und Peter Mutschler (technische Hilfe), Martin Wundsam (Grafik), Ramona Mutschler (Catering) und Mieke Nizet, die Lichtquellen, Schminke und Regie unter Kontrolle hat.

Jo Högg

Südkurier, 10-04-2007

Sechs Frauen spiegeln einen Autor

Kafkas Verhältnis zu Frauen gilt als schwierig. Um so verwunderlicher ist es, wenn die Inzlinger Theatergruppe Phantadu mit einem Stück die Bühne betritt, das “Kafkas Harem” heißt. Tatsächlich gab es vier Frauen in Franz Kafkas Leben. Drei von ihnen (das Stück unterschlägt Julie Wohryzek) werden auf der Bühne des Inzlinger Pfarreiheims lebendig: Felice Bauer, Milena Jesenská und Dora Diamant. Damit daraus ein wirklicher Harem wird, werden ihnen drei weitere Frauen gegenübergestellt, die für Kafka eine bedeutende Rolle spielten. Er hat sie nämlich in seinen Werken erfunden. Da ist die überspannte Sängerin Josephine, die von ihrer Kunst über alle Maßen überzeugt ist, die in Wahrheit aber nur kläglich pfeift, da sie nämlich ein Nagetier ist (aus “Josephine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse”). Ihr zur Seite stehen die verruchte Krankenpflegerin Leni (aus “Der Prozess”) und die anfangs verschreckte Rosa, der ein Knecht ins Gesicht gebissen hat (aus “Ein Landarzt”).

Schnell turbulent

Diese Konstellation lässt es schnell turbulent werden auf der Bühne. Die drei “realen” Frauen beginnen sich darüber zu streiten, wen von ihnen Kafka mehr geliebt hat und wer Kafka überhaupt war. Die biedere Felice (überzeugend dargestellt von Regina Mattmüller-Maier), will Ordnung in seine Gedanken bringen. Milena, die verheiratete Journalistin (gekonnt gespielt von Rita Frieauff) erkennt indessen Kafkas Größe und dass man ihn nicht besitzen konnte. Dora (sehr gefühlsbetont dargestellt von Bettina Gertz) hebt die Leidenschaft hervor, die es in Kafkas realem Leben jedoch kaum gab.

Deshalb können die erfundenen Frauen sich unbeschwert darüber lustig machen. Leni (eindringlich dargestellt von Angelika Maier-Trefzger) ist die Leidenschaft, die es bei Kafka nur in der Phantasie gab. Auch Rosa ist im Stück eine äußerst sinnliche Person (souverän verkörpert von Susi Klein), und Ute Homberger spielt herrlich verrückt die Josephine.

Aus der Sicht der Frauen entsteht ein Bild von Franz Kafka und den gegensätzlichen Facetten seiner Persönlichkeit: der reale Versicherungsangestelle auf der einen und der Schriftsteller voller surrealer Phantasien auf der anderen Seite.

Regisseurin Mieke Nizet, die das Stück von Rebekka Bremmer zum ersten Mal überhaupt auf die Bühne bringt, ist eine eindrückliche und temperamentvolle Inszenierung geglückt, der man mehr Zuschauer wünscht als bei der Premiere, denn das Stück ist nicht nur für eingefleische Kafka-Fans ein Erlebnis.

Thomas Loisl Mink

Südkurier, 24-04-2007

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